Aktueller Forschungsstand zu PROMs in Deutschland
In Deutschland gibt es verschiedene Bestrebungen zur Etablierung von Patient-Reported Outcome Measures (PROMs). Diese erfolgen bislang überwiegend in Form sogenannter „Bottom-Up“-Initiativen, die ohne gesetzliche Vorgaben oder politische Rahmenbedingungen eine strukturierte PROM-Landschaft schaffen wollen (Steinbeck et al., 2021, S. 69).
Pionierarbeit der Initiative Qualitätsmedizin
Ein bedeutender Akteur ist die Initiative Qualitätsmedizin (IQM), die bereits im Jahr 2008 den Versuch unternahm, Outcome-Messungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu standardisieren. Eine von IQM durchgeführte Umfrage zeigte, dass PROMs vor allem in Universitätskliniken und Privatkrankenhäusern genutzt werden (Steinbeck et al., 2021, S. 60 f.).
Forschungsprojekte mit Innovationsfonds-Förderung
Zudem wurden in der Vergangenheit mehrere Forschungsprojekte durch den Innovationsfonds gefördert. Dieser wird über den Gesundheitsfonds finanziert und dient der Verbesserung von Qualität und Effizienz in der gesundheitlichen Versorgung. Zu den geförderten Projekten zählen:
- PRO-B
- PROMoting Quality
- EPOS
- LQ-DMP
(Gemeinsamer Bundesausschuss, 2024)
Pilotprojekt zur Rehabilitation mit ProQl
Ein versorgungsübergreifendes Pilotprojekt wurde 2018 durch eine Kooperation zwischen 4QD-Qualitätskliniken.de GmbH, dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und der Deutschen Rentenversicherung ins Leben gerufen. Ziel war die Analyse der Ergebnisqualität in der Rehabilitation von Patient:innen mit Hüft- oder Kniegelenkersatz sowie bei chronischen Rückenschmerzen. Zur Auswertung wurde der Patient-Reported Outcome Quality Index (ProQl) genutzt (Steinbeck et al., 2021, S. 71 f.).
Darauf aufbauend erfolgten weitere Untersuchungen zu PROMs in verschiedenen Rehabilitationsbereichen:
- Onkologische Rehabilitation (Beierlein, 2024)
- Psychosomatische Rehabilitation (Beierlein, 2020)
- Neurologische Rehabilitation (Beierlein, 2024)
Diese Studien bestätigen durchweg die Bedeutung von PROMs zur Messung von Patientenzufriedenheit und Behandlungsergebnissen.
Transparente Ergebnisveröffentlichung durch 4QD
Die 4QD-Qualitätskliniken.de GmbH ist zudem die erste Organisation in Deutschland, die Behandlungsergebnisse auf Basis von PROMs systematisch erhebt, bewertet und öffentlich zugänglich macht (Steinbeck et al., 2021, S. 71).
DeQS-Richtlinie: Ein erster regulatorischer Schritt
Mit der Richtlinie zur datengestützten Qualitätssicherung (DeQS-RL) wurde 2019 ein erster Versuch unternommen, PROMs bundesweit zu etablieren. Ziel war es, die medizinische Versorgungsqualität durch PROMs und Patientenbefragungen zu sichern. Die Umsetzung im klinischen Alltag bleibt jedoch bislang hinter den Erwartungen zurück, unter anderem wegen struktureller und organisatorischer Hürden (Steinbeck et al., 2021, S. 72).
Herausforderungen in der IT-Infrastruktur
Bis 2025 existiert keine einheitliche nationale Plattform für PROMs in Deutschland. Die IT-Systeme der Krankenhäuser sind häufig inkompatibel, was eine flächendeckende Integration erschwert. Daher wird die Entwicklung einer zentralen, interoperablen IT-Plattform empfohlen, die sich nahtlos in die elektronische Patientenakte (ePA) integrieren lässt und über Schnittstellen zu weiteren Datensystemen verfügt (Steinbeck et al., 2021, S. 82 f.).
Gesetzliche Entwicklungen: Das GVWG
Ende 2020 wurde das Gesetz zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung (GVWG) verabschiedet. Dieses fördert Qualität, Transparenz, bessere Leistungen und stärkere Vernetzung im Gesundheitswesen. Ein besonderer Fokus liegt auf der Patientenzentrierung, unter anderem durch digitale und barrierefreie Patientenbefragungen. PROMs könnten hierbei in Zukunft eine zentrale Rolle einnehmen (Steinbeck et al., 2021, S. 75).